Was ist ESG-Sicherheitsglas?


Einscheibensicherheitsglas:
Einscheibensicherheitsglas (ESG) ist ein thermisch vorgespanntes Glas, das die Industrie in planer oder gebogener Form herstellt.

Es hat folgende wichtige Eigenschaften:
> ca. 3-fach höhere Schlag- und Bruchfestigkeiten gegenüber nicht vorgespanntem Glas
> ca. 3-fach verbesserte Temperatureigenschaften gegenüber normalem Glas
> Sicherheitsglas, d. h. bei Bruch zerfällt das Glas in ein Netz stumpfkantiger kleiner Krümel,
die ein mögliches Verletzungsrisiko minimieren.

Der Herstellungsprozess:
Beim thermischen Vorspannen wird bereits zugeschnittenes und bearbeitetes Glas auf ca. 630° C aufgeheizt und anschließend mit Kaltluft abgeschreckt.

Infolge des Abschreckens kühlt das Glasinnere langsamer ab als die Außenseite und zieht sich noch zusammen,
wenn die Oberflächen bereits erstarrt sind.

In der Oberflächenschicht entsteht dadurch eine Druckvorspannung, im Inneren eine Zugspannung.

Thermisch vorgespanntes Glas kann anschließend nicht mehr bearbeitet werden.

Als Basisprodukte verwenden wir folgende Glasorten:
> Floatglas
> Farbglas
> Gussglas
> Beschichtetes Glas

Einsatzbereiche:
> in Bauanwendungen
> in Leuchten und Lampen
> in Haushaltsgeräten
> in der Möbelindustrie
> in Anlagen und Maschinen

 

RICHTLINIE ZUR BEURTEILUNG DER VISUELLEN
QUALITÄTVON ESG und TVG
Fassung Juli 1997

EINFÜHRUNG
Diese Richtlinie gilt für planes, thermisch vorgespanntes Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und thermisch verfestigtes Glas (TVG) für die Anwendung im Bauwesen.

Thermisch vorgespanntes/verfestigtes Glas im Sinne dieser Richtlinie ist ein Glas, das beim Herstellungsprozess erhitzt und anschließend mit Luft abgekühlt wird.

Dies bewirkt, dass ESG/TVG gegen Schlag, Verwindung und Temperaturwechsel weitgehend widerstandsfähig ist. Im Zerstörungsfall entsteht bei ESG die typische Bruchstruktur mit vielen kleinen Bruchstücken, während bei TVG das Bruchbild in etwa dem von normalem Floatglas entspricht. TVG bekommt deshalb nur als Verbundglaskombination Sicherheitseigenschaften.


1. GELTUNGSBEREICH
Mit dieser Richtlinie erfolgt die Beurteilung der visuellen Qualität von Einscheiben-Sicherheitsglas aus Floatglas und Gussglas bzw. TVG aus Floatglas, jeweils klar und in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt als Konstruktionsglas und Einfachverglasung für das Bauwesen.

Bei Verwendung von ESG/TVG in Isolierglaseinheiten kommt die „Richtlinie zur Beurteilung der visuellen Qualität von Isolierglas“ zur Anwendung.

Die Beurteilung erfolgt nach den folgend beschriebenen Prüfungsgrundsätzen mit Hilfe der nachfolgenden Tabellen und Angaben. Bewertet wird die im eingebauten Zustand verbleibende lichte Glasfläche.


2. PRÜFUNG
In der Regel ist bei der Prüfung die Durchsicht durch die Scheibe und nicht die Aufsicht auf die Scheibe maßgebend. Die bei der Prüfung wahrgenommenen Abweichungen werden entsprechend den Tabellen auf ihre Zulässigkeit geprüft.

- Die Fehlergröße 0,5 mm bei Floatglas, klar und in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt, die Fehlergröße 1,0 mm bei Gussglas, jeweils klar und in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt, wird in der Regel nicht berücksichtigt.

- Die durch den industriellen Herstellungsprozess von Floatglas nicht immer vermeidbaren Beeinträchtigungen, wie z. B. Störfelder in Form von Einschlüssen, dürfen mit ihrem „Hof“ in der Regel nicht größer als 3 mm sein.

Die Prüfung erfolgt in Anlehnung an die nachfolgenden Normen:

- DIN 1249, insbesondere

- DIN 1249, Teil 12 „Flachglas im Bauwesen; Einscheiben-Sicherheitsglas“

- DIN EN 12150 (E) „Glas im Bauwesen; Thermisch vorgespanntes Einscheiben-Sicherheitsglas“

- DIN EN 1863 (E) „Glas im Bauwesen; Teilvorgespanntes Glas“

Die Prüfung wird derart vorgenommen, dass sich die Augen des Prüfers

- bei klarem und in der Masse eingefärbtem sowie beschichtetem, emailliertem oder oberflächenbehandeltem Floatglas in 1 m Entfernung, - bei Gussglas, jeweils klar in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt, in einer Entfernung von 1,5 m in der Höhe der Scheibenmitte befinden.

Die Beurteilung der Durchsicht sollte aus einem Betrachtungswinkel erfolgen, der der üblichen Raumnutzung entspricht. In der Regel wird senkrechte Betrachtungsweise zu unterstellen sein.

Geprüft wird bei diffusem Tageslicht (z. B. bedeckter Himmel) ohne direktes Gegenlicht (z. B. Sonneneinstrahlung). Die Beanstandungen dürfen nicht besonders markiert sein.


3. TABELLE 1 UND 2 – ZULÄSSIGKEITEN
In nachfolgender Tabelle 1 werden die Abweichungsmöglichkeiten mit ihrer Prüfung auf Zulässigkeit angeführt.

Geltungsbereich: Floatglas, klar und in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt.

- Haarkratzer (mit dem Fingernagel nicht spürbare Oberflächenbeschädigung)
- geschlossene Blase
- kristalline Einschlüsse (unaufgeschmolzene Gemengeteilchen)
- außenliegend flache Randbeschädigung bei gesäumter Kante
- leichte Ausmuschelung bei gesäumter Kante, die die Festigkeit des Glases nicht beeinträchtigt.
 
Bedingt durch den thermischen Vorspannprozess ist eine chemische und mechanische Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit – wie Pünktchenbildung und Rollenabdrücke – in der jeweiligen Glasart nicht vermeidbar.


Erläuterungen:
F = Falzzone Glaseinstand
R = Randzone, Fläche 5 % der jeweiligen lichten Breiten- und Höhenmaße
H = Hauptzone

In nachfolgender Tabelle 2 werden die Abweichungsmöglichkeiten mit ihrer Prüfung auf Zulässigkeit angeführt.

Geltungsbereich: Gussglas, jeweils klar und in der Masse eingefärbt sowie beschichtet, emailliert oder oberflächenbehandelt.

- Haarkratzer (mit dem Fingernagel nicht spürbare Oberflächenbeschädigung)
- geschlossene Ziehblase
- geschlossene Kugelblase
- kristalline Einschlüsse (unaufgeschmolzene Gemengeteilchen)
- außenliegend flache Randbeschädigung bei gesäumter Kante
- leichte Ausmuschelung bei gesäumter Kante, die die Festigkeit des Glases nicht beeinträchtigt


4. TOLERANZEN – GERADHEIT
Die Abweichung von der Geradheit ist abhängig von der Dicke, den Abmessungen und dem Seitenverhältnis. Sie macht sich bemerkbar in Form von Verwerfungen.
Diese werden in zwei Kategorien eingeteilt:

- Generelle Verwerfung tG
- Örtliche Verwerfung tÖ


GENERELLE VERWERFUNG tG
Die Glasscheibe ist bei Raumtemperatur vertikal auf ihrer langen Seite auf zwei Klötze aufgestellt, die in einem Viertel der Kantenlänge von der Ecke entfernt positioniert sind.

Die Verwerfung wird mit einem Haarlineal oder einem gespannten Draht als maximaler Abstand zur konkaven Oberfläche der Glasscheibe gemessen. Die Verwerfung wird entlang der Glaskanten und der Diagonalen gemessen.

In allen Fällen wird die generelle Verwerfung als Verhältnis der Verwerfung h1 zur Kantenlänge B oder H ausgedrückt.
 
 
ÖRTLICHE VERWERFUNG tÖ
Die örtliche Verwerfung tÖ wird über eine Messstrecke von 300 mm mit Hilfe eines Haarlineals oder eines gespannten Drahtes gemessen. Sie wird ausgedrückt als Verhältnis der Verwerfung h2 bezogen auf 300 mm Länge;
Bei Gussglas wird die örtliche Verwerfung mit Hilfe eines Haarlineals auf der Strukturseite gemessen, indem man dieses auf die höchsten Punkte der Struktur auflegt und zum höchsten Punkt der Struktur misst.
 
Begrenzung der generellen und örtlichen Verwerfung:
Glasart,
Glasdicke in mm,
Begrenzung

bezogen auf generelle
Verwerfung mm/m
bezogen auf örtliche
Verwerfung mm/300 mm

Floatglas ESG
5
4
0,3

6 - 15
3*
0,3

Floatglas TVG
4 -10
3*
0,3

Ornamentglas
4 - 10
5
1,0

Bei quadratischen Formaten mit einem Seitenverhältnis > 1:1,3 ist zwangsläufig die Abweichung von der Geradheit größer als bei rechteckigen Scheiben. Insbesondere bei Glasdicken 6 mm sind Abweichungen bis zu 4 mm/m zulässig. Zur Verbesserung der Planität und der Optik sollte in den Bereichen 4 - 6 mm eine höhere Glasdicke als statisch erforderlich gewählt werden.


5. PHYSIKALISCH BEDINGTE MERKMALE
5.1 OPTISCHE BESONDERHEITEN
Da das Glas während des Vorspannprozesses im Ofen auf Rollen liegt, können gelegentlich leichte Oberflächenveränderungen auftreten. Diese Welligkeit (in Fachkreisen “roller waves” genannt) ist physikalisch bedingt nicht immer vermeidbar und führt im Einzelfall zu einer geringfügigen Beeinträchtigung des Reflexionsbildes. Bedingt durch diesen thermischen Vorspannprozess kann auch eine chemische und mechanische Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit wie Pünktchenbildung („roller- pick-up“ genannt) und Rollenabdrücke auftreten.


5.2 ANISOTROPIEN
Es handelt sich hierbei um Irisationserscheinungen, die an thermisch vorgespannten Scheiben (ESG) auftreten. Einscheiben-Sicherheitsglas wird durch einen speziellen thermischen Prozess vorgespannt. Dieser Herstellungsprozess erzeugt Spannungszonen im Glas, die unter polarisiertem Licht zu Doppelbrechungen führen. Bei Betrachtung des Einscheiben-Sicherheitsglases unter bestimmten Lichtverhältnissen können Polarisationsfelder sichtbar werden, die sich als Muster bemerkbar machen. Dieser Effekt ist für Einscheiben-Sicherheitsglas charakteristisch und physikalisch bedingt. Das natürliche Tageslicht enthält je nach Wetter oder Tageszeit einen mehr oder weniger hohen Anteil polarisierten Lichtes. Ähnliche Phänomene treten auch bei thermisch verfestigtem Glas (TVG) auf.


5.3 BENETZBARKEIT DER GLASOBERFLÄCHE DURCH FEUCHTE
Die Benetzbarkeit der Glasoberfläche kann durch Abdrücke von Rollen, Fingern, Etiketten, Papiermaserungen, Vakuumsaugern, Glätt- oder Gleitmitteln unterschiedlich sein. Bei feuchten Glasoberflächen infolge Beschlagbildung, Regen oder Reinigungswasser kann die unterschiedliche Benetzbarkeit sichtbar werden. Derartige Erscheinungen sind charakteristische Merkmale und nicht reklamationsfähig.


5.4 STRUKTUR- UND FARBABWEICHUNGEN
Bei Strukturgläsern kann eine Symmetrie bei Verwendung mehrerer Scheiben nebeneinander in einer Fläche grundsätzlich nicht gewährleistet werden. Der Strukturverlauf sollte in der Bestellung angegeben werden. Wenn diese Angabe fehlt, erfolgt die Fertigung des Strukturverlaufs parallel zur Höhenkante. Aus fertigungs- technischen Gründen sind bei Struktur- und Farbgläsern Designverschiebungen bzw. geringfügige Farbunterschiede möglich.


6. KENNZEICHNUNG
Jede ESG-Scheibe ist dauerhaft mindestens mit der Kennzeichnung „DIN 1249–ESG“ zu versehen.
Jede TVG-Scheibe ist dauerhaft mindestens mit der Kennzeichnung „DIN EN 1863–TVG“ zu versehen.
Die Kennzeichnung muss („im eingebauten Zustand“) lesbar sein.
Irgendwelche Ansprüche können aus dieser Richtlinie nicht abgeleitet werden.